Wiesbaden/Marburg/Hanau: Schultoiletten in Hessen: Vandalismus bleibt Dauerproblem
Kostenpflichtige Klos, Chips und Kunstprojekte: Was Hessens Schulen gegen stinkende, zerstörte Schultoiletten unternehmen – und wo die Ansätze an ihre Grenzen stoßen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Die Toilette ist in vielen Schulen ein Angst- und Ekelraum oder sogar eine No-Go-Area. Vandalismus, Verschmutzung und Zerstörung in Schulklos sind hessenweit ein Thema.
Dauerproblem in Wiesbaden
Die Landeshauptstadt Wiesbaden etwa bezeichnet den Zustand der Schultoiletten als "Dauerproblem". Der Vandalismus nehme zu, berichtet ein Sprecher der Stadt.
Seitens der Eltern, der Schülervertretungen und der Politik sei häufig die These vertreten worden, "dass die alten, stinkenden Anlagen die Schüler nicht motivieren, pfleglich damit umzugehen und deswegen Schülerinnen und Schüler einerseits die Anlagen meiden, was gesundheitsschädlich sei", erläuterte er. "Andererseits führten nicht beseitigte Defekte, Schmierereien und Verschmutzungen dazu, dass weitere Vandalismusschäden eintreten."
Vollständig bestätigt habe sich diese These allerdings in Wiesbaden nicht. "An vielen Schulen geht diese Rechnung zwar auf, aber es verstärkt sich in den letzten Jahren mehr und mehr, dass auch neue Anlagen sehr schlecht von der eigenen Schüler*innenschaft behandelt werden."
Sanierung alter Anlagen
Um Abhilfe zu schaffen, sei das Ziel bisher gewesen, alte sanierungsbedürftige Anlagen ganz grundlegend zu sanieren, erläutert der Sprecher. Das verursache in der Regel Kosten von mehreren Hunderttausend Euro. Die Stadtverordnetenversammlung stelle regelmäßig Budgets zweckgebunden für die Sanierung von WC-Anlagen zur Verfügung.
Seit Jahren empfehle der Schulträger überdies das Konzept einer Schule, Pausendienste durch ältere Schülerinnen und Schüler einzuführen. "Andere von Verschmutzungen und Vandalismus betroffenen Schulen haben dies inzwischen kopiert, das Konzept greift allerdings nur in den Pausen", erklärt der Sprecher. Vandalismus während der Unterrichtsstunden werde damit nicht verhindert.
"Zwei Schulen, die versucht haben, einen Teil der Toiletten, kostenpflichtig – und dafür sauber – zur Verfügung zu stellen, sind am Druck der Elternschaft gescheitert", berichtet er. Ein anstehender Neubau werde mit Unisex-Einzeltoiletten errichtet. "Eine andere Schule erhält je Cluster kleinere WC-Anlagen zugeordnet, um den Nutzer*innenkreis zu reduzieren."
Probleme auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Probleme mit verunreinigten oder verstopften Schultoiletten kennt man auch an den Schulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Diese hingen auch mit dem Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer zusammen, erklärte ein Sprecher. "Ein Teil der Probleme ließe sich auch durch eine höhere Zielgenauigkeit und damit eine bessere Trefferquote sowie durch die konsequente Nutzung der Spültaste oder Toilettenbürste noch besser beherrschen."
Mögliche Gegenmaßnahmen würden meist gemeinsam mit der Schulleitung, aber auch der Eltern- und Schülervertretung abgestimmt. "Diese reichen über die Einrichtung einer Bezahltoilette, die Umrüstung auf eine digitale Schließung mittels Chip oder verstärkte Aufsicht", so der Sprecher.
Verschönerung der Toiletten
Häufiger beteiligten sich zudem Schülerinnen und Schüler über gemeinsame Projekte an der Verschönerung der Toiletten. Ausgangspunkt dafür sei vor einigen Jahren das vom Landkreis gestartete Projekt "Wahre Cunst (WC)" gewesen.
Für solche Projekte übernehme der Landkreis die Materialkosten, und die Schüler legen selbst Hand an beim Gestalten der sanitären Einrichtungen - "mit dem Ergebnis, dass die Toiletten, die von den Schülerinnen und Schülern selbst verschönert wurden, pfleglicher behandelt werden", so der Sprecher.
Bezahltoiletten, für deren Benutzung ein kleiner Betrag fällig wird, waren im Landkreis an manchen Schulen bereits vor längerer Zeit eingeführt worden und seien auch heute noch im Einsatz. "Grundsätzlich ist eine sehr enge Abstimmung mit der Schule vor Ort immer wichtig, um eine gemeinsame Lösung zu finden."
Hanau: Vandalismus zeigt sich unterschiedlich
Vandalismus und Schmierereien kommen auch in Hanauer Schulen vor. Nach Angaben von Bürgermeister Maximilian Bieri (SPD) gibt es Schmierereien eher in Grundschulen, Sachbeschädigungen in weiterführenden Schulen. "Wenn so etwas vorkommt, wird es umgehend mit Schulleitung und Schülerschaft besprochen", berichtet Bieri, der auch Schuldezernent ist. "Erfahrungen mit Chips haben wir noch nicht, verfolgen aber mit Interesse, welche Erfahrungen andere Schulen damit sammeln."
Die Stadt Hanau mit ihren rund 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist als Schulträgerin für insgesamt 27 Schulen an 35 Schulstandorten verantwortlich. Insgesamt besuchen rund 18.500 Schülerinnen und Schüler die Hanauer Schulen.
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