Fernsehen: Der Pfarrer und die Liebe - TV-Serie zu Zölibat und Rebellen
Ein Pfarrer mit Freundin, ein Kardinal im Ausnahmezustand – was die Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" über Liebe, Zölibat und die Zukunft der Kirche zu sagen hat.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Ein katholischer Pfarrer, der offen eine Liebesbeziehung mit einer Frau führt? Für manche ein Skandal, für andere längst überfällig. In der zweiten Staffel der Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" von Franz Xaver Bogner sorgt das jedenfalls für großen Wirbel, denn eigentlich gilt doch für den Priester das Zölibat.
Wie denkt Hauptdarsteller Stephan Zinner über die Debatte und worum geht es in den neuen Folgen, die ab 10. April immer freitags um 20.15 Uhr im Doppelpack im BR-Fernsehen zu sehen sind (und schon in der ARD-Mediathek)?
Fastenprediger als Rebellen-Pfarrer
Zinner, kürzlich Fastenprediger beim Politiker-Derblecken am Nockherberg, spielt wieder Pfarrer Reiser. Nach einer Liebesbeziehung in Staffel eins tritt der Geistliche nun offiziell mit Lisa Kirchberger (Anne Schäfer) als Paar auf.
Kardinal Brunnenmayr (Erwin Steinhauer) kriegt sich kaum mehr ein. Denn Reiser rebelliert auch in anderen Belangen immer wieder gegen die Vorgaben der Kirche, die für ihn oft viel zu weit entfernt sind von der Lebensrealität der Menschen seiner Pfarrei. Auch in Brunnenmayrs Familie gärt es: Seine Schwester möchte unbedingt mit ihrer Partnerin zusammenziehen.
Einfach mal probieren
Könnte die Abschaffung des Zölibats dem Mitgliederschwund und dem Priestermangel in der katholischen Kirche entgegenwirken? "Ob das allein reicht, weiß ich nicht. Aber es wäre zumindest ein Signal, dass sich was bewegt und dass die Kirche in der Gegenwart ankommt", sagt Zinner der dpa.
Dabei gehe es nicht darum, ob ein Pfarrer Coolness zeige. "Es geht darum, dass der Pfarrer Reiser die Kirche nicht als abgeschlossen, immer gleich bleibenden Kasten sieht." Alte Strukturen umzukrempeln, sei allerdings schwierig. "Aber wenn man’s nicht versucht, ändert sich garantiert nichts. Insofern: Der Reiser muss es probieren", so Zinner.
Kirche in der Versenkung?
Der Schauspieler selbst wurde evangelisch getauft, ist aber ausgetreten. Religiöse Inhalte lehnt er dennoch nicht ab. "Ich habe nie negativ über den Glauben gedacht – ganz im Gegenteil", erklärt der Münchner. "Aber mit der Institution Kirche in großen Teilen kann ich wenig anfangen." Was müsste sich verändern, damit er wieder eintritt? "Zu viel", sagt Zinner.
Haustiere und Weihnachts-Sekt
Inspiration für die Serie war der Bestseller "Himmel, Herrgott, Sakrament" von Rainer Maria Schießler, der seine eigenen Erfahrungen als Stadtpfarrer von Sankt Maximilian in München aufgeschrieben hat. Der 65-Jährige ist bekannt für ungewöhnliche Aktionen wie die Segnung von Haustieren und Rutsche-Autos oder Sekt für alle an Heiligabend - um den Geburtstag Jesu zu feiern.
Eine Haltung, die Regisseur Bogner imponiert. "In vielen Städten sind die Kirchen leer. Bei einem hier in München ist sie voll", schwärmt er von Schießler. "Er kümmert sich um jeden einzelnen seiner Gemeinde. Er begeistert sie für den Glauben selbst. Er tut dies mit außergewöhnlichen Aktionen, die nicht immer im Sinne der kirchlichen Obrigkeit sind." Dabei sei er eigentlich ein Pfarrer alten Schlages. Zugute komme ihm oft "seine bajuwarische Begabung für Humor".
Kirche mit "Freude und Leichtsinnigkeit"
Schießler selbst stellt aber klar: "Es geht nicht um mein Leben, das hier verfilmt wird, sondern um die Einstellung, das Auftreten und das Ankommen eines Kirchenmannes bei den Menschen". Er sei zutiefst dankbar, dafür Modell stehen zu dürfen. Was ihm am Herzen liegt: "etwas Freude und Leichtsinnigkeit (im positiven Sinne: Glaube nach leichtem Sinne!) im Zusammenhang mit Kirche zu vermitteln". Wenn das mit der Serie gelinge, dann habe sich alles gelohnt.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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