Hinterweidenthal: Wo der Teufel einst Mittagspause machte

Er sieht nicht aus wie ein Felsen, er sieht aus wie eine Behauptung: der Teufelstisch im Süden von Rheinland-Pfalz. Die Geologen haben ihn erklärt, doch erst der Volksmund hat ihn verstanden.

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"Das kann unmöglich halten!" Wer den berühmten Teufelstisch zum ersten Mal sieht, reagiert meist wie die meisten: Hat die Natur hier, im Süden von Rheinland-Pfalz, ihren Sinn für Statik verloren? Ein gewaltiger Sandsteinblock thront 14 Meter hoch auf einem deutlich schmaleren Felsfuß. Eben ganz so, als hätte jemand einen riesigen Tisch mitten in den Pfälzerwald gestellt und vergessen, ihn abzubauen.

Die Natur mag viele bemerkenswerte Bauwerke hervorgebracht haben. Der Teufelstisch gilt als einer der bekanntesten Felsen Deutschlands. Menschen fanden für das Naturwunder früh einen Erklärungsversuch: Wenn ein Felsen aussieht wie ein Tisch, muss dort jemand gegessen haben. Und wenn der Tisch groß ist, kommt als Gast eigentlich nur ein Riese infrage. Oder, klar, eben der Teufel persönlich.

Wind, Wasser - und Millionen Jahre

Einer Sage nach zog der Leibhaftige hungrig durch die Gegend. Weil er keinen geeigneten Platz für sein Mahl fand, stellte er kurzerhand zwei Felsen zusammen, speiste dort und verschwand wieder. Zurück blieb der steinerne Tisch. So erzählt es zumindest - augenzwinkernd - der Pfälzer Krimiautor Uwe Ittensohn ("Weinfluch").

Die Wirklichkeit ist - wie so oft - weniger spektakulär, aber deswegen nicht weniger faszinierend. Wind, Wasser und Millionen Jahre formten den Buntsandstein zu jener Gestalt, die heute Besucher aus ganz Deutschland anzieht. Das weichere Gestein verschwand nach und nach, der härtere Teil blieb. Fertig war der wohl ungewöhnlichste Tisch der Welt. Mindestens.

Wer den Waldweg hinaufgeht, versteht schnell, warum der Felsen seit Generationen die Fantasie beschäftigt. Zwischen Kiefern und Sandstein taucht er auf. Sehr groß und irgendwie sehr unwirklich.

Waldluft statt Inferno

Der Pfälzer Mundart-Comedian Chako Habekost ("Es kummt wies's kummt") findet, man hätte dem Naturdenkmal durchaus einen sachlichen Namen geben können: "Sandsteinplateau oder Felsdach oder so was." Doch das wäre wohl nicht pfälzisch genug gewesen.

"Die Pfälzer blasen halt gern die Backen auf. Also muss was Großes, Drastisches her: Teufelstisch", sagt Habekost und schmunzelt. Und weil ein gewöhnlicher Teufel offenbar nicht genügte, sei daraus ein Riese geworden. "Sauweri Sach."

Tatsächlich klingt der Name nach Hölle, Inferno und dunklen Mächten. Vor Ort erwarten die Besucher aber Vogelgezwitscher, Waldluft und erstaunlich angenehme Temperaturen. Sogar an heißen Sommertagen bleibt es bei Teufels zu Tisch vergleichsweise kühl.

"Der Mann wurde nie wieder gesehen"

Besonders schön wird es am späten Nachmittag. Dann färbt die Sonne den Sandstein rot, die Schatten werden länger, und der Felsen wirkt noch geheimnisvoller als sonst.

Vielleicht helfen dabei die Geschichten. Ittensohn berichtet von einem übermütigen Pfälzer, der die Sage verspottete und ankündigte, mit dem Teufel am Tisch zu speisen. In der folgenden Nacht sei ein markerschütternder Schrei zu hören gewesen. "Der Mann", flüstert Ittensohn verschwörerisch, "wurde nie wieder gesehen."

Und wer behauptet, der Tisch sei das Ergebnis von Erosion und Verwitterung, der bekommt von Ittensohn vorsorglich einen Rat mit auf den Weg: "Bass uff, mach dei Maul net zu weid uff, sunscht lad dich de Deiwel zum Essen ei."

Zu viel Sympathie für Rote Teufel?

Habekost spannt den Bogen zum Rock 'n' Roll - und zum Fußball. "Es soll religiöse Sensibelchen geben, die jetzt mit einem Rolling-Stones-Zitat anmerken, dass die Pfälzer vielleicht zu viel "Sympathy for the Devil" haben und deswegen ihr einst so ruhmreicher Fußball mit seinen Roten Teufeln schon so lange zweitklassig vor sich hindümpelt", meint der Künstler. Sei es drum: "E Pälzer Gosch ist halt alleweil größer wie ein hochdeutscher Mund."

Vielleicht erklärt das seinen Erfolg: Der Teufelstisch ist einer jener Orte, an denen die Wissenschaft alles begründen kann – und die Legende trotzdem die schönere Geschichte bleibt.

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